BW/4HANA ein starker Aufschlag für die Zukunft

Am 7. September hat die SAP ihr neues Produkt SAP BW/4HANA vorgestellt. Für diese Vorstellung wurde die ganz grosse Marketingtrommel in den USA gerührt:

  • die beeindruckende Kulisse der Golden Gate Bridge in San Fransico,
  • Vorstellung durch Bernd Leukert und Robert Enslin (beide Boardmitglieder),
  • sofortige Verfügbarkeit in der Cloud (AWS)
  • Online Übertragung in die gesamte Welt.

 
Damit unterstreicht die SAP die herausragende Position der Data Warehouselösung für das Digitale Business und bekennt sich zu der eigenen Lösung. Die Kunden gewinnen Investitionssicherheit und eine klare Roadmap für die Zukunft.

Wohin geht die Reise der SAP-Lösung für ein Enterprise Data Warehouse mit diesem neuen Produkt? Welche Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede gibt es zu der bestehenden Lösung SAP BW oder SAP BW 7.50 Edition for HANA?

Ein neues Produkt

SAP BW/4HANA ist ein neues Produkt der SAP nur für die HANA-DB, welches das bisherige SAP BW ablösen soll. Dies zeigt sich z.B. in den folgenden Details:

  • Der technische Name ist nicht mehr z.B. SAP BW 7.50, sondern es gibt stattdessen neue Softwarekomponenten wie DW4CORE 1.00
  • Die Auslieferung bringt einen eigenen Kernel 7.45 for SAP BW/4HANA 1.0
  • Die Auslieferung erfolgt nicht mehr als auf oder als Teil des SAP NetWeavers, sondern auf oder als Teil eines AS ABAP (Application Server ABAP), der nicht mehr den bisherigen ganzen NetWeaver umfasst, sondern eine verschlankte Version davon ist.

 
Da es sich um ein neues Produkt handelt, stellen sich fundamentale Fragen erneut:

  • Die Installation eines neuen Produkts ist ja im Allgemeinen unproblematisch. Aber wie sieht es mit dem Upgradepfad von SAP BW auf einer HANA zu SAP BW/4HANA aus? Dieser besteht grob gesprochen aus einem Upgrade auf SAP BW 7.50, dann muss das System von veralteten Objekten befreit werden. Danach darf man auf SAP BW 7.50 Edition for HANA umschalten und schliesslich findet eine Systemkonversion statt, um SAP BW/4HANA 1.0 zu erreichen. Der letzte Schritt ist kein gewöhnlicher Upgradeschritt, da beim Wechsel von SAP BW 7.50 zu SAP BW/4HANA 1.0 Teile des NetWeavers aus dem System verschwinden.
  • Welche Add-Ons sind auf dem neuen Produkt zulässig?
    Der Hinweis 2189708 listet die möglichen bzw. nicht mehr möglichen Add-Ons auf dem neuen Produkt auf. Beispielsweise werden diverse SEM-BW-Add-Ons nicht unterstützt. Da BPC zum Release 7.50 mit dem BW verschmolzen worden ist, ist dieses weiterhin Teil von BW/4HANA und nicht betroffen.

Vergleich SAP BW/4HANA 1.00 mit SAP BW 7.50

Zu SAP BW 7.50 hat die SAP eine ganze Reihe von Objekttypen zu veralteten Objekten erklärt. Dazu gehören z.B. der InfoCube, das klassische DSO oder der Multiprovider. Diese Objekte werden von SAP BW 7.50 aber weiter in vollem Umfang unterstützt. Man kann auf einer HANA-DB allerdings SAP BW 7.50 in den Modus „Edition for HANA“ versetzen bzw. diesen Modus vorbereiten. Dann können keine neuen Instanzen dieser alten Objekttypen erzeugt werden, alte Instanzen sollten in die neuen Objekttypen (advanced DSO, HANA Composite Provider) migriert werden, und ist das System von diesen alten Objekten befreit, so ist SAP BW 7.50 Edition for HANA erreicht. Die SAP unterstützt die Migration der Objekte mit einigen Tools. Allerdings besteht immer noch der Aufwand, die Daten von den alten auf die neuen Objekte zu übertragen.

Der Funktionsumfang von SAP BW/4HANA 1.0 entspricht im Augenblick in etwa dem Umfang von SAP BW 7.50 Edition for HANA. Während SAP BW 7.50 allerdings noch die Unterstützung der alten Objekttypen technisch im Bauch trägt, enthält SAP BW/4HANA diese Unterstützung nicht mehr. Dadurch ist SAP BW/4HANA von vornherein schlanker. Ebenso ist es dadurch schlanker, dass es nicht mehr auf dem SAP NetWeaver aufbaut, sondern nur noch auf einem Teil davon. Hier will und hat sich die SAP sowohl im BW als auch im restlichen NetWeaver von Altlasten getrennt.

Während es im Augenblick wenig Unterschiede in der Funktionalität zwischen BW 7.50 Edition for HANA und BW/4HANA gibt, wird sich das laut SAP in Zukunft ändern. Die SAP BW-Release gehen in einen Wartungsmodus und wesentliche Neuerungen und Innovation sollten nur noch auf BW/4HANA geliefert werden. Damit ist das Reiseziel von der SAP vorgegeben: im Produkt SAP BW kommt es zu keinen Innovationen mehr, egal ob auf einer HANA- oder einer non-HANA-DB. Die Weiterentwicklung findet im Produkt SAP BW/4HANA statt, welches auch nur eine HANA-DB unterstützt.

Wer sich also nicht früher oder später auf dem Abstellgleis der Produktentwicklung wiederfinden will, der wird notwendigerweise

  • auf eine HANA-DB wechseln und
  • seine alten Objekttypen zu neuen Objekttypen migrieren und
  • entweder mit einer Neu-Installation von SAP BW/4HANA beginnen oder eine Systemmigration zu SAP BW/4HANA durchführen müssen.

Innovationen mit SAP BW/4HANA

Mit SAP BW/4HANA vereinfacht die SAP ihre EDW-Lösung. Die Modellierung wurde von veralteten Objekten befreit. Datenflüsse wurden vereinfacht und zugleich die Software verschlankt. Eine eingebaute „Temperaturregelung“ für heisse, warme und kalte Daten wird das Datenmanagement vereinfachen.

Auch Verbesserungen im OLAP wird es in SAP BW/4HANA geben. So ist der Pushdown von Ausnahmeaggregation inklusive Währungs- und Einheitenumrechnung vom ABAP herunter in die HANA-Datenbank angekündigt. Damit werden Queries, die diese Funktionalitäten benutzten, deutlich schneller werden.

Sehr spannend ist auch die Ankündigung, dass das Laden von Stammdaten nun auch, wie bei DSOs oder aDSOs, mit einer Eingangsqueue und einem Changelog möglich werden soll. Das bedeutet, dass es zukünftig recht einfach möglich sein wird, falsche oder unerwünscht geladene Stammdaten wieder per Rollback loszuwerden, indem man einfach die entsprechenden Requests wieder löscht. Dieses Feature ist für Q2/2017 angekündigt.

Weiterhin ist SAP BW/4HANA offen für die SQL-Welt, z.B. werden für Queries oder Provider automatisch Calculation Views erstellt, die über SQL angesprochen werden können. Das System öffnet sich weiter für die Herausforderungen durch Big Data über bessere Schnittstellen z.B. zu Hadoop-Systemen durch einen neuen Spark-Adapter. Insgesamt verbessert sich das gesamte Handling von grossen Datenmengen und von Datenströmen in Echtzeit oder nahe Echtzeit.

Die Benutzeroberflächen werden erneuert, es wird ein neues Modelling-UI für Datenflüsse und eine neue Administrationsoberfläche zum Monitoren von Prozessketten geben. Die alten Bex-Werkzeuge fallen weg, als Frontendtools sind SAP BusinessObjects Analysis Office, - Design Studio und –Cloud weiterhin gesetzt.

Das Produkt SAP BW/4HANA steht als On-Premise-Lösung und als Cloud-Lösung zur Verfügung.

Für BW/4HANA wird es auch neu optimierten Business Content geben.

Zusammenfassung

Die SAP setzt weiterhin auf eine eigenständige EDW-Lösung. Wesentliche Verbesserungen will sie aber nur noch im Zusammenspiel mit der HANA-Datenbank anbieten. Daher kommt es jetzt zu einem Schnitt: es wird ein Produkt nur noch für die HANA-Datenbank angeboten. Bei dieser Gelegenheit trennt man sich zugleich auch von historisch gewachsenen Altlasten und Sackgassen der Entwicklung. Dieser Schnitt macht den Übergang von der bisherigen zur neuen Lösung mühsamer als gewohnt, dafür kann die SAP sich ganz auf die modernen Objekte konzentrieren und ihre Lösung fit machen für die Herausforderung von Cloud, Big Data und real-Time.

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